
Am Wiltener Friedhof ist eine Gedenkstätte für verstorbenes ungeborenes Leben eingerichtet worden. Sie ist im neuen, erweiterten Bereich der Urnengräber angesiedelt und soll eine Stätte der Andacht und des Trostes sein. Es soll damit seitens des Stiftes Wilten ein aktiver Beitrag zur Aufarbeitung dieses komplexen und für viele fast unbewältigbarem Thema geleistet werden. Kern dieser Gedenkstätte ist ein von der Thaurer Künstlerin Jutta Katharina Kiechl angefertigtes Bildnis, das einen Engel darstellt, welchem man den Namen des Kindes mitgeben kann, um es zum Herrn zu tragen.
Inschrift:
„Gib deinem Kind einen Namen. Der Engel wird den Namen wie eine Blüte bergen und zum Vater im Himmel tragen.“
Als Bildträger dient eine 6mm starke Eternitplatte, ein äußerst homogener, witterungsbeständiger sowie mineralischer Baustoff, der mit einer quarzgefüllten Sol- Silikatfarbe der Fa. Keim mit der Malerbürste im Kreuzgang grundiert worden ist. Damit wurde der kalten und harten Oberfläche Struktur und ein gewisses Maß an Wärme gegeben, die zur künstlerischen Entfaltung notwendig ist. Nach einem leichten Zwischenschliff erfolgte ein Anstrich mit reiner Sol- Silikatfarbe, so dass letztlich eine Oberfläche entstand, die sich ähnlich angenehm wie Leinwand bearbeiten lässt.
Silikatfarben gehen bei der Trocknung eine so genannte Verkieselung mit einem verkieselungsfähigen mineralischen Untergrund ein, was vereinfacht gesagt bedeutet, dass sie unlösbar mit diesem versteinern. Es ist eine Reaktion von Wasserglas mit dem Kohlendioxid der Luft zu polymerer Kieselsäure, die ihrerseits mit den Erdalkalien (Kalk) und Schwermetallen des Untergrundes unlösliche Silikate bildet. Farbe und Untergrund verbinden sich somit auf dem Wege einer chemischen Reaktion. Dies trifft auch auf die von Katharina Kiechl verarbeitenden Farben bzw. Lasuren zu, die ebenfalls stofflich dem Sol- Silikatbereich zuzuordnen sind. Durch eine werkseitig geringfügige organische Bindemittelmodifizierung sind diese Farben auch noch relativ gutmütig und sicher in der Anwendung, was sie vom Purkristallatsystem unterscheidet, wo schon eine gewisse Übung im Umgang damit erforderlich ist, um entsprechende Ergebnisse zu erzielen. Beiden Systemen gemein ist, dass sie in höchstem Maße lichtecht und witterungsbeständig sind, so dass sich daraus eine jahrzehntelange und, je nach Bewitterung, in vielen Fällen sogar eine jahrhundertelange Haltbarkeit der Oberflächen und Kunstwerke ergibt.
Trotzdem wird das Gemälde schützend in seiner Nische präsentiert und zusätzlich noch durch ein Flachglas vor allfälligem Vandalismus geschützt. Die Befestigungstechnik ist eine komplette Maß- und Einzelanfertigung, an der Handwerker aus Hall und Mils sowie Architekt beteiligt waren. In der Oberfläche des Glases spiegelt sich sanft und absolut beabsichtigterweise der Friedhof sowie die Wiltener Basilika, so dass dadurch dem Gemälde eine zusätzliche Ebene hinzugefügt worden ist.
Das Team:
• Künstlerin: Jutta Katharina Kiechl, Thaur
• Architekt: DI Walter Klasz, Innsbruck
• Aufbereitung der Malgründe und maltechnische Unterstützung: Günther Follmann, Restaurator und Maler in Mils
• Flachglas und Montage: Fa. Anker, Spengler und Glaser in Hall
• Anfertigung der Halterungen: Fa. Flörl, Schlosserei in Hall
Text und Fotos: Günther Follmann, Maler und Restaurator in Mils